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Die Jehmlich-Orgel

Die Königin der Instrumente in der Peter-Pauls-Kirche erklingt wieder in harmonischer Klangfülle und in auf 43 Stimmen beruhender Vielfalt, für eine weit über Hundertjährige keine Selbstverständlichkeit.
Die Orgel wurde 1903 von den Gebrüdern Emil und Bruno Jehmlich aus Dresden als Opus 191 mit 29 Registern, verteilt auf zwei Manuale und Pedal, mit pneumatischer Traktur und Kegelwindladen erbaut. Die Disposition und Klangwirkung des Instrumentes entsprach der spätromantischen Klangvorstellung. Als technische Innovation wurde die Orgel mit einem hydraulischen Motor zur Winderzeugung ausgestattet, der über das Trinkwassernetz betrieben wurde. Somit war kein Kalkant, also Bälgetreter, mehr notwendig. Der Wassermotor ist als Besonderheit und technisches Denkmal bis heute erhalten, natürlich außer Betrieb.
In der Folgezeit weist die Orgel eine bewegte Geschichte auf. Im Jahr 1917 mussten die 63 Prospektpfeifen aus Zinn für die Kriegswirtschaft abgegeben werden. Bis 1924 wurden sie durch bronzierte Zinkpfeifen ersetzt. 1926 erhielt das Instrument ein elektrisches Windgebläse, welches jedoch  aufgrund der unsicheren Stromversorgung parallel zum Wassermotor angeschlossen wurde.
    Kurz nach dem 2. Weltkrieg erfolgte 1947 eine tiefgreifende Umdisponierung und Ergänzung von Registern im neobarocken Klangstil, der durch die Orgelbewegung der 30er Jahre inspiriert war. Im Zuge der Umgestaltung erhielt die Orgel im Jahr 1956 ein drittes Manual als Kronwerk. Ein neuer Spieltisch mit drei Klaviaturen wurde eingebaut, das Orgelwerk verfügte nun über 41 Stimmen. Der heutige elektrische Spieltisch wurde im Jahr 1966 fertiggestellt. Zudem erfolgte der Umbau der Traktur auf ein elektropneumatisches System.
Bis in die 1990er Jahre wurden weitere Maßnahmen zur Umdisponierung vollzogen. Es entstand eine Mischung aus Klang- und Baustilen verschiedener Epochen, die kein einheitliches Klangbild mehr ergab. Zunehmende Verschmutzung des Instrumentes, Schäden am Pfeifenwerk, verschleiß- und alterungsbedingte Funktionsstörungen im Spieltisch und an den Windladen beeinträchtigten den Klang und das Orgelspiel, so dass eine klangliche Neukonzeption der Orgel mit grundlegender technischer Überarbeitung nebst Reinigung notwendig wurden.
Im Jahr 2008 gründete Kantorin Erdmute Trepte eine Initiativgruppe „Orgel“, um Maßnahmen einzuleiten, die der Beseitigung zunehmender technischer Ausfälle dienen sollten.
Als ausschlaggebend für die Orgelsanierung erwies sich die Gründung des "Freundeskreises Coswiger Orgel" im Jahr 2010, der sich das Ziel stellte, durch Sammlung von Geld - mindestens fünfzigtausend Euro - die Sanierung der Orgel  zu unterstützen.
Um Spender und Interessierte für die klangliche Wiederherstellung der Orgel zu mobilisieren, wurden abwechslungsreiche, kunstvolle, interessante, witzige und genussvolle Ideen entwickelt. Hier einige Beispiele: eine von Ekkehard Lissner erstellte CD, Werke des inzwischen verstorbenen Malers Dr. med. Erich Thomas, vom Coswiger Ehrenbürger Heinz Werner signierte Kunst-Postkarten, handbemalte Holzstelen und ein Gemälde, Verkauf von „Orgelwein“, Handgefertigtes für die Bude am Weihnachtsmarkt, eine große Koffersammelaktion, Orgelführungen. Der Oberbürgermeister von Coswig, Frank Neupold, übernahm die Schirmherrschaft des Projekts, das von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Sparkasse Meißen gefördert wurde. Im März 2014 ernannte die Stiftung Orgelklang mit einer damit verbundenen Fördersumme  unsere Orgel zur „Orgel des Monats“. Patenschaften für einzelne Pfeifen trugen zum glücklichen Höhepunkt der Sammelaktionen bei.
So konnte die Orgel im Festgottesdienst am 8. November 2015 generalsaniert und klanglich neu konzipiert wieder erklingen. Die Aktionen und  die unermüdliche Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Freundeskreises hatten hierzu einen gewichtigen Beitrag geleistet.
Im Zeitraum von drei Jahren wurde die Generalsanierung der Orgel durch die Orgelbaufirma Jehmlich in zwei Bauabschnitten realisiert. Die dreimanualige Orgel weist nun 43 Register zuzüglich 3 Transmissionen und insgesamt 2.670 Pfeifen auf, welche neu intoniert wurden. Die Prospektpfeifen sind neu bronziert, das prachtvolle Gehäuse wurde gereinigt und aufgefrischt. 
 
Lit.: Ralf Jehmlich / Jehmlich Orgelbau Dresden (aus der Festschrift zur Wiedereinweihung nach der Sanierung 2015)
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